Warum ich mich beim “Pastoralen Zukunftsweg” nicht eingebunden fühle

Erschienen am 24. Oktober 2019 in Allgemein

Jonas Montenarh

 

Ein persönlicher Kommentar von Jonas Montenarh zum Pastoralen Zukunftsweg

++++UPDATE++++
Die Diözesanstelle für den pastoralen Zukunftsweg hat mir eine sehr ausführliche Antwort zu meinem Brief geschrieben. Die Verantwortlichen sind sich der Schwachstellen des Pastoralen Zukunftsweges sehr wohl bewusst, sind aber auch zuversichtlich, dass der Prozess gelingen kann, wenn alle sich einbringen.
Das macht Mut und gibt Kraft sich weiter einzubringen und mitzugestalten.

Vielen Dank dafür!

Wer ich bin

Ich bin Pfadfinder bei der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg, das ist der größte deutsche Pfadfinderverband und wir sind Teil der katholischen Kirche.
Ein Leitspruch der Pfadfinder ist “Creating a better world”. Ein anderer “Be Prepared”. Wir wollen also die Dinge zum besseren Wenden und bereit sein für die Zukunft.

Ich bin Bezirksvorstand im Bezirk Köln-linksrheinisch – Vorstandsarbeit bei uns heißt viel arbeiten in Sitzungen, Treffen und Arbeitsgruppen, Vorstandsarbeit bei uns heißt kreativ werden, Kompromisse schließen und Strukturen überdenken. Vorstandsarbeit heißt bei uns sich in neuen Strukturen zurechtfinden und sich in verschiedenen Organen zu positionieren. Das macht mir Spaß, das kann ich.

Warum ich schreibe

Man sollte also meinen ich finde mich gut in einem “Pastoralen Zukunftsweg” zurecht, den das Erzbistum Köln ins Rollen gebracht hat, um die Kirche zukunftsfähiger zu gestalten.
So ist es aber nicht… Ich habe zwar an der Umfrage teilgenommen und habe die Regionalkonferenzen nur verpasst, weil ich krank war. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, Teil des Prozesses zu sein und mich einbringen zu können.
Warum das so ist kann ich nicht klar beantworten. Ich versuche aber ein paar Gedanken zu skizzieren, in der Hoffnung damit den Prozess verbessern zu können.

Was wollen wir als Erzbistum erreichen

Mir ist bisher noch nicht klar geworden, was unser Ziel mit dem “Pastoralen Zukunftsweg” ist. Mit uns meine ich die fast 2 Millionen Katholiken, die im Erzbistum leben und die wir diesen Weg gemeinsam beschreiten müssen, damit wir erfolgreich sind. Der Grund den Weg anzustoßen ist klar, Prognosen sagen vorraus, dass die Kirche in Zukunft wesentlich weniger Mitglieder haben wird. Darauf müssen wir reagieren, keine Frage.
Aber was soll am Ende des Prozesses stehen? Ein Maßnahmenkatalog, der umgesetzt wird? Das ist mir noch nicht schlüssig. Ich frage mich auch, woran wir meßbar machen wollen, ob wir erfolgreich sind. Reicht uns ein Anstieg der Mitgleiderzahlen?

Wo sind Grenzen der Veränderung

Veränderung hat immer auch Grenzen. Einige sind beim “Pastoralen Zukunftsweg” klar. Wir sind immernoch Teil der Weltkirche und auch kirchenrechtliche Aspekte sind bindend. An anderen Stellen ist mir nicht klar wie weit wir gehen möchten. Wie stark sind wir bereit von althergebrachten liturgischen Formen, von Rollenverständnissen und Machtverhältnissen abzuweichen. Wie sehr ist die Kirche bereit sich der Zeit anzupassen und wo wollen wir eine Konstante sein. Und vorallem ist meine große Frage, wer entscheidet, dass wir fast 2 Millionen Katholiken zusammen oder eine Handvoll, die an der Spitze der aktuellen
Strukturen stehen?

Wie wir reden

Vielleicht sind einige dieser Fragen schon beantwortet. Manche Antworten habe ich vielleicht übersehen. Bei anderen Antworten habe ich das Gefühl, dass sie im Hintergrund feststehen, aber nicht offen kommuniziert sind. Ich hoffe, dass ist nicht der Fall, aber hier mangelt es an Transparenz. Insbesondere für jemanden wie mich, der Kirchenpolitik nur am Rande erlebt, ist es sehr schwierig zu erkennen, wer mit welchen Intentionen
am Prozess teilnimmt und wer Entscheidungen trifft. Wie sind beispielsweise die Arbeitsgruppen besetzt worden? Wer entscheidet welche Ergebnisse der Arbeitsgruppen berücksichtigt werden?
Wie sind Kommunikationswege und wie kann man sich einbringen?

„im besten Sinne! Anpacken und Ärmel hochkrempeln für eine Gegenwart im Wandel und – mit Gottes Segen – für eine gelingende Zukunft unserer Kirche.“

Leitgedanken des Pastoralen Zukunftsweges

Welche Sprache wir sprechen

Die Website des Erzbistums zum “Pastoralen Zukunftsweg” und auch einzelne Dokumente dazu machen auf mich einen sprachlich gleichzeitig hochgestochenen und schwammigen Eindruck. Vieles ist sehr unkonkret
und dehnbar. Beim “Anpacken und Ärmel hochkrempeln” braucht man eine klare Sprache, damit jeder weiß was er zu Tun hat!

Was wir Jugendverbände leben

Wir Pfadfinder als Jugendverband schaffen es trotz demografischen Wandels, weiter stabile Mitgliederzahlen zu haben.
Das resultiert aus unseren Werten, die größtenteils aus dem christlichen Weltbild hervorgehen. Ganz zentral ist hierbei der Dienst am Nächsten. Das Leben dieser Werte bedeutet, aber auch, dass wir uns alle gleichwertig sehen und selbst unsere Jüngsten über die Zunkunft mitentscheiden lassen. Dazu haben wirfeste Strukturen mit klaren Zuständigkeiten und jeder der möchte kann sich einbringen und mitdenken.
Jeder darf bei uns mitmachen, egal welcher Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung… Solange er unsere Werte teilt.
Ich glaube wir Jugendverbände, und damit meine ich nicht nur die DPSG, sondern alle anderen Verbände die im Bund der katholischen Jugend vertreten sind, können sehr viele Erfahrungen und sehr viel Knowhow
in den Prozess einbringen. Das heißt nicht, dass wir ein Musterbeispiel für die perfekte Kirche sind. Aber wir kennen nicht nur die Jugend, sondern wir sind die Jugend – und damit die Zukunft unserer Kirche!

Ich bin offen für Rückfragen, Erkärungen und Nachfragen!
Jonas Montenarh
(Jonas.montenarh@dpsg-bezirk-koeln.de)

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One Response

  1. Helmut Olders

    27. Oktober 2019: Mloin, ich kann Dich gut verstehen. Auch für mich, Jg.48,Pfadfinder, war und ist diese Kirche schwammig, nicht konkret und, ja, muss ich sagen, oft auch nicht offen, was die Wahrheit angeht ( Mißbrauch usw, kenne ich aus der Familie).Einklares Wort von den Veranrwortlichen (ich mag nicht bei jedem: Priester Gottes sagen) wäre sehr hilfreich sowohl für meine Kinder, als auch für die Enkelkinder.In dem Sinne Gut Pfad